Diario Bolognese – Prolog

Über den roten Dächern

Es war im letzten August spätabends. Ich hatte mir schon länger Gedanken darüber gemacht, was ich mit meinen nächsten Frühlingsferien anfangen könnte. Ich wusste, es würde eine besondere Situation sein, denn ich würde zum ersten Mal seit vielen Jahren alleine Ferien machen müssen bzw. dürfen.

Seit ich verheiratet bin – also seit jetzt bald 25 Jahren – war das nicht mehr so. Und seit unsere beiden Söhne Michael und Fabio* auf der Welt sind, bedeuten Ferien vor allem Familienferien. Die sind zwar schön, aber eben auch anstrengend. Vor allem mit Fabio, der autistische Wahrnehmung hat und von daher seine festen Rituale braucht. Das bedeutet: Möglichst immer an den gleichen Ort reisen, immer dieselben Abläufe. So verbringen wir seit einigen Jahren unsere Ferien meistens an der Ostsee, im Engadin und im Tessin.

Doch jetzt würde ich endlich mal die Möglichkeit haben, ganz für mich alleine Ferien zu machen, ganze zwei Wochen lang. Mein Mann ist zu dieser Zeit in einem viermonatigen Studienurlaub in Norddeutschland. Fabio, 16, geht in den Frühlingsferien zu meiner Mutter, und Michael, 19, ist im Zivildienst und bleibt alleine zuhause.

Ich hatte schon länger die Idee gehabt, mal einen Italienischkurs in Italien zu machen. Jetzt war die Chance da. Ich zögerte zuerst noch: Will ich das wirklich, so ganz alleine 2 Wochen an einem fremden Ort sein? Es müsste eine Stadt sein, wo etwas los ist, aber vielleicht auch nicht die allergrösste Metropole. Bologna wäre gut erreichbar, ich war noch nie dort. Bei meinen Überlegungen schaute ich mir mal Bologna auf Google Earth von oben an. Ich sah die roten Dächer der Altstadt und war fasziniert. Erst recht, als ich feststellte, dass die Sprachschule, die ich mir ausersehen hatte, mitten in der Altstadt liegt.

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Und als ich dann noch ein Zimmer entdeckte, das ebenfalls in der Altstadt liegt, war es um mich geschehen. In einem veritablen Mutanfall buchte ich noch am gleichen Abend das Zimmer für 2 Wochen.

Einige Zeit später fragte ich mich, ob dieser Entschluss wirklich richtig gewesen war. Ich hätte ja auch nur eine Woche fortgehen können und die andere Woche zuhause verbringen, um mal in Ruhe aufzuräumen und auszumisten. Aber es war bereits alles gebucht.

Wenn ich geahnt hätte, wie anstrengend die letzten Wochen vor den Ferien sein würden, wäre ich niemals auf solch abstruse Ideen gekommen.

Jetzt, wenige Tage vor der Abreise merke ich, wie dringend ich diese Ferien brauche, gerade jetzt und ganz sicher mindestens 2 Wochen. Ich habe sie wohlverdient, nicht nur wegen der anstrengenden letzten Zeit, sondern um Pause zu machen vom Familien- und Berufsleben, um mal ein bisschen „zu mir selber zu finden“. Das kann ich am besten, indem ich alleine unterwegs bin.

Ich bin sehr gespannt, wie es wird.

*Sämtliche Namen von Privatpersonen sind in diesem Blog geändert.

 

 

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