Diario Bolognese – 12. Tag

Abschied

Ein letztes Mal Schule. Ich werde feierlich mit einer Urkunde verabschiedet. Auch wenn ich keine sehr engen Beziehungen zu den Anderen geknüpft habe, ist es doch ein komisches Gefühl, zu wissen, dass ich diese Menschen wohl niemals wiedersehen werde. Jede/r geht in sein/ihr eigenes Leben zurück, nach Australien, England, Russland oder Amerika; einige machen noch ein bis Wochen weiter, manche bleiben bis Semesterende an der Uni, die Thailänderin bleibt wohl für immer und wird noch einige Wochen lang die Schule besuchen.
Man verabschiedet sich herzlich mit Küsschen. Ein Amerikaner gibt mir noch einen Gruss an Roger Federer mit.

2019-04-19 13.42.51
Der Eingang zur Sprachschule

Zurück in der Wohnung ist der Abschied von Anna besonders herzlich, sie umarmt mich zweimal und hat Tränen in den Augen. Sie sagt, es gehe eben jedesmal ein Stück Leben verloren. So ist es.
Bevor ich später alleine das Haus verlasse, stelle ich ihr zu einer Dankeskarte noch einen Lindt-Goldhasen hin, „Cioccolata Svizzera“, den ich – natürlich – in Bologna gekauft habe.

Nun habe ich noch 2 Stunden Zeit, bis ich zum Bahnhof muss. Ich flaniere noch einmal durch die Strassen mit den typischen Arkadenbögen. Im Mittelalter war es offenbar Pflicht, beim Hausbau solche Arkaden einzubauen. Nachdem ich hier hin und wieder einen sintflutartigen Platzregen miterlebt habe, kann ich das gut nachvollziehen.

Ich atme noch ein letztes Mal Bologna. Dass Karfreitag ist, merke ich einzig daran, dass der Touristenstrom merklich zugenommen hat, man hört sogar manchmal jemand Deutsch sprechen. Ansonsten ist dies hier ein ganz normaler Arbeitstag.

Die Stadt ist mir inzwischen sehr vertraut geworden. Mir ist in diesen zwei Wochen bewusst geworden, wie wichtig der Faktor Zeit bei so einem Aufenthalt ist. Eine Woche wäre ganz klar zu kurz gewesen. Ich habe ein paar Tage gebraucht, bis ich einen richtigen Rhythmus gefunden und herausgefunden habe, wie diese Stadt tickt – und erst recht, um in die Sprache zu finden. Bei einem anderen Mal würde ich weniger knapp anreisen, um mich bereits etwas einzuleben, bevor die Schule anfängt. Und wenn ich das nächste Mal nach Bologna komme, kann ich mich bereits zurechtfinden.

Ich gehe noch kurz in die Wohnung zurück, um meinen Koffer zu holen, dann begebe ich mich zum Bahnhof.

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