Diario Bolognese – Rückreise

Dieses Mal erwische ich den richtigen Zug nach Milano und kann endlich erleben, wie schnell die Reise zwischen den beiden Städten gehen kann. Inzwischen kenne ich mich mit den italienischen Zügen gut aus; mir ist jetzt bekannt, dass der Hochgeschwindigkeitszug „Frecciarossa” heisst und ich weiss auch, wie ich im Internet ausführliche Fahrplaninformationen finden kann. Was mir auf der Hinfahrt passiert ist, würde mir also jetzt nicht mehr passieren.
Halb dösend lasse ich die Landschaft der Po-Ebene an mir vorbeiziehen.

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In Milano stelle ich fest, dass der Zug in die Schweiz zehn Minuten Verspätung hat. Zeit genug, um auf den Bahnhofsvorplatz zu gehen und mir diesen Monumentalkoloss von Bahnhof einmal von aussen anzusehen. Die Architektur ist eindrücklich, aber auch erdrückend. Meine Vermutung, dass die Faschisten beim Bau ihre Finger im Spiel hatten, kann ich später durch Wikipedia bestätigen.

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Das Einsteigen in den Zug ist wieder einmal gewohnt chaotisch, die wenigen Kofferabstellplätze sind bereits durch Fahrräder belegt, ich stelle meinen Koffer also halb in den Gang. Dann geniesse ich die Fahrt durch die norditalienische Landschaft in der Abendsonne. Sogar ein paar Blicke auf den Lago Maggiore kann ich erhaschen.

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Domodossola – ich nähere mich der Schweizer Grenze. Das Zuhause rückt näher mit allem, was ich dort zurückgelassen habe.
Ich hatte Michael gesagt, dass ich von ihm keinen Grossputz erwarten würde, aber die Wohnung bei meiner Rückkehr in ungefähr ähnlichem Zustand vorfinden möchte wie bei meiner Abreise. Fabio wird noch ein paar Tage bei meiner Mutter bleiben. Ich freue mich auf beide. Leider sehe ich meinen Mann noch ein paar Wochen lang nicht, so dass ich ihm nicht direkt von meinen Eindrücken erzählen kann.
Und beruflich? Indem ich meinen Kopf stark auf das Italienischlernen konzentrieren musste, konnte ich darüber alles andere vergessen, was mich vorher beruflich beschäftigt hat. Das ist gut so. Nun muss ich mich wieder darauf einstellen. Schon morgen Abend werde ich die Osternacht feiern, zum Glück habe ich sie schon vorbereitet. Der Alltag wird mich wiederhaben, und ich hoffe, ich werde mir etwas Zeit und Ruhe gönnen können, um langsam wieder darin einzutauchen – und die Eindrücke dieser Reise zu einem wertvollen Teil davon zu machen.

Jetzt nur noch durch zwei lange Tunnels, dann bin ich schon fast zuhause.