Diario Bolognese – 2. Tag

Sette Chiese

Langsam macht mir der Italienischkurs Spass. Die Gruppe, in der ich bin, hat den für mich genau richtigen Schwierigkeitsgrad. Zudem finde ich es gut, dass wirklich konsequent Italienisch gesprochen wird. Die neuen Wörter und Begriffe werden einfach mit anderen Worten oder Zeichnungen erklärt. Ich habe das Gefühl, dass ich wirklich etwas lerne.
Mit der Zeit lerne ich die Leute besser kennen. Es sind zwei Russinnen dabei, die sich für Italien begeistern. Ein älteres australisches Ehepaar, das 5 Wochen in Italien ist und für Ausflüge manchmal die Schule schwänzt, z.B. wegen eines Paolo-Conte-Konzertes in Turin. Die junge Holländerin studiert gleich ein ganzes Semester in Bologna, Betriebswirtschaftslehre auf Englisch und lernt nebenbei Italienisch. Die Thailänderin ist mit einem Italiener verheiratet und lebt bereits seit 2 Jahren in Bologna. Die Japanerin studiert Gesang und lernt Italienisch, um die italienischen Opern singen zu können. Manchmal gibt es auch Überraschungen. Die Japanerin demonstriert mir, dass sie fast akzentfrei „Chuchichaschtli“ sagen kann. Ein junger Brasilianer spricht mich plötzlich in akzentfreiem Deutsch an. Er habe mit seinen Eltern mal eine zeitlang in Frankfurt gelebt. Später höre ich ihn mit den Russinnen fliessend Russisch sprechen, seine Mutter ist Russin und er studiert momentan in Russland.

Am Nachmittag gehe ich mit einer Gruppe der Schule an einen wunderschönen Ort: Santo Stefano, ein Ensemble von vier ineinander geschachtelten Kirchen. Ursprünglich waren es mal sieben, darum nennt man sie auch „Sette Chiese“.

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Weil Passionszeit ist, sind alle Kunstwerke mit violetten Tüchern, der Farbe der Busse, verhüllt. Das ergibt manchmal interessante Formen.

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In einem Raum befindet sich der Nachbau des Grabes Jesu aus Jerusalem (das wohl ebenfalls ein Nachbau war und schon lange nicht mehr existiert). In der Mitte des Ensembles befindet sich ein Kreuzgang.

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Insgesamt empfinde ich diesen Ort als erfüllt mit Frieden und Ruhe, eine Atmosphäre, die mich zum ersten Mal in diesen Tagen tiefer atmen lässt.